Infos

Seminar im Family Hope Center

Vom 15.-17. Oktober 2013 waren mein Mann und ich auf dem 3-tägigen Seminar des Family Hope Centers im Hilton Garden Inn in der Nähe von Philadelphia, PA. Matthew und Carol Newell sind die Direktoren des FHC.

Wir wollen die Vorgänge im Gehirn lernen und somit unsere Kinder verstehen. Der Urheber dieser Therapie, Glenn Doman, geht davon aus, dass durch irgendwelche Umstände, zum Beispiel Vergiftungen, Sauerstoffmangel o.a. eine Verletzung des Gehirns vorliegt. Daher kann es nicht optimal funktionieren. Das zeigt sich dann in Spastiken, Krämpfen, Schielen oder auch „nur“ eine Lernschwäche, Legasthenie oder dergleichen. Durch gezielte Stimulation der verschiedenen Gehirnbereiche wie der Cortex, das Rückenmark, Pons, Mittelhirn oder des Limbischen Systems, kann der zuständige Bereich seine Aufgabe aufnehmen oder ein anderer Bereich übernimmt das.

Am Dienstag ging es los. Um 8 Uhr waren wir zur Registratur da und haben jeder ein Namensschild und unsere Unterlagen bekommen. Wir haben uns mit dem zweiten deutschen Pärchen bekannt gemacht. Zwei ganz liebe Kurden, die seit über 15 Jahren in Deutschland leben und aus Bremen angereist sind.

Mit Alberto unserem Übersetzer verstehen wir uns auch von Anfang an. Er arbeitet schon lange mit dem FHC und ist somit mit der Materie sehr vertraut, was auch unseren Gesprächen in den Pausen zugutekommt. Am zweiten Tag setzten wir aber die Kopfhörer für die Übersetzung nicht mehr auf, weil Matthew und sein Team ein sehr angenehmes Englisch sprechen und mein Gehirn sich offensichtlich auf Englisch umgestellt hat. Wirklich erstaunlich wie gut das mit dem Verständnis der Sprache klappt, obwohl es ja doch ein sehr spezieller Wortschatz ist und mein letztes Englisch doch schon ein paar Jahre her ist.

Um 8:30 Uhr startet das Seminar pünktlich und wir sind etwa 60 Personen, meist Pärchen. Die Therapeuten des FHC´s und ein Teil des Orga-Teams stellen ich vor und Matthew steigt gleich in die Materie ein. Er erklärt uns die verschiedenen Hirnbereiche, ihre Aufgaben und wie es funktioniert. Außerdem erfahren wir, wie wichtig der Sauerstoff für das Gehirn ist und wie wir den Sauerstoffgehalt im Körper und somit im Gehirn erhöhen können. Obwohl ich schon eine Menge über das Gehirn weiß, lerne ich viel Neues. Unglaublich dass diese Infos schon seit Jahrzehnten bekannt sind und obwohl wir ein hirnverletztes Kind haben, sagt uns das niemand…

Am zweiten Tag wird es sehr praktisch. Das FHC hat eine große Tabelle, die genau aufzeigt, mit welchen Alter, welche Entwicklungsstufe, in welchen Gehirnbereich stattfinden sollte. Ein Beispiel: Es sollte im Bereich „Sehen und Lesen“ ein Kind mit 2 bis 18 Monate, Bilder als abstrakte Vorstellung von realen Gegenständen verstehen. Wenn das nicht der Fall ist, wissen wir dass das Problem im Cortex liegt. Wir gehen sehr genau jeden Punkt durch, damit wir auch verstehen, warum genau dieser Schritt so wichtig ist und was daraus resultieren kann, wenn Kinder aus welchen Gründen auch immer, den Schritt überspringen oder vorher hängenbleiben. Wir notieren bei jedem Punkt, ob Max diese Stufe erreicht, fast erreicht, teilweise erreicht oder noch nicht erreicht hat. Somit ergibt es ein klares Bild für uns, auf welcher Entwicklungsstufe Max gerade ist und in welchen Bereichen er speziellen Förderbedarf hat. Durch eine Umrechnungstabelle errechnen wir die Minderung der Entwicklung

Wir kommen auf folgendes Ergebnis:

Max hat ein chronologisches Alter von 48 Monaten.
Neurologisch Ist er allerdings erst 14,63 Monate und nutz nur 30,5 % der Funktion.
Das ist eine starke Schädigung, da sechs bis sieben Funktionen betroffen sind.

Irgendwie ernüchternd, das so deutlich in Zahlen zu lesen. Ich bin diese Tage sowieso sehr nah am Wasser gebaut und darum laufen mir schon ein, zwei Tränchen runter… :‘-(

Am Nachmittag geht es dann an die Lösung!
Wir bekommen einen zweiten Bogen, der dieselbe Abstufung hat wie der erste. Somit können wir genau an den Stellen, an denen Max ein Defizit hat nachschauen, welche Übung dafür die richtige ist. In unserem Beispiel  sollten wir das Programm „einfaches Lernen“ mit dem Kind durchführen. Das heißt, 3 Gruppen von 3 Wörtern mit entsprechenden Bildern und Gegenständen. 3-5 Sitzungen pro Tag. Wieder gehen wir alle Punkte einzeln durch und besprechen auch, welche Übung wie ausgeführt wird, welche Intensität, Wiederholung usw. Alles sehr anschaulich und einfach. Jetzt haben wir schon mal einen guten Überblick, welche Übungen für Max besonders wichtig sind und was wir zu Hause gleich umsetzten können.

Am dritten Tag besprechen wir noch die Wichtigkeit der Ernährung. Da einige Hirnverletztungen aus Vergiftungen resultieren, ist es besonders Wichtig, nicht noch mehr Schlechtes in das System zu bekommen. Der Darm ist unser zweites Gehirn und sollte mit bei jedem mit großer Sorgfalt behandelt werden, nicht nur bei Auffälligkeiten. Wenn dort nur Müll durchwander, kann er nicht richtig arbeiten. Somit unser Gehirn im Kopf auch nicht. Zucker ist sowieso Gift für die Gehirnzellen. Optimal ist natürlich Obst & Gemüse. In diesem Bereich sind wir mit Max sowieso schon sehr weit und ernähren uns sicherlich schon weitestgehend optimal (mit Ausnahmen ;-)).  Gluten werden wir in Zukunft noch weglassen. Es hat einfach ein sehr hohes Allergiepotenzial.

Im Laufe des Tages haben wir in einer Break-Out Session die Möglichkeit mit einem der Therapeuten einen genauen Plan für zu Hause zusammen zu stellen. Auf welche Übung wir unser Augenmerk legen sollen und in welcher Häufigkeit wir das durchführen sollen. Außerdem bespricht Matthew mit uns noch das Kriechen und Krabbeln. Was diese zwei Übungen alles bewirken und für was sie gut sind. Uns ist gleich klar, dass Max kriechen muss. Das hat er als Baby gar nicht gemacht und es vernetzt aber so viel im Gehirn. Kriechen und Krabbeln ist sowieso für jeden Sinnvoll. Wir werden auf jeden Fall mit Max kriechen und krabbeln. :-)

An jeden der drei Tage waren außerdem Eltern da, die schon seit Jahren beim FHC sind und die ihre Geschichten erzählt haben und was für tolle Erfolge sie schon verbuchen konnten. Sehr bewegend. Vor allem als Jacob hereinkam! Die Ärzte hatten den Eltern damals nach der dramatischen Geburt nur gesagt: Fahren sie heim und lieben sie ihr Kind. Die Prophezeiung war, das Jacob nie mehr machen wird, als rumliegen… Jetzt Jahre später, läuft er, kommuniziert er und nimmt einfach am Leben teil! Herrlich.

Was mich beim Seminar sehr beeindruckt hat, waren die perfekten Bedingungen. Das FHC hat sehr genau darauf geachtet, dass unsere Gehirne optimal funktionieren können. Der Seimarraum war auf unter 20° gekühlt, alle Stunde hat ein Wecker geklingelt, damit wir aufstehen und uns bewegen. Alle 1 ½ Stunden gab es eine Pause in der Obst und Nüsse gereicht wurden. Mittags gab es auch nur eiweißreiche Speisen wie Gemüse, Hühnchen, Fisch und Tofu. Wir waren in den drei Tagen bei jeweils 12 Stunden Seminar topfit. Hat sich sehr gut angefühlt.

Am nächsten Tag besuchen wir das Family Hope Center in Norristown und lassen uns von Donna die Räumlichkeiten zeigen. Es gefällt uns sehr gut und wir fühlen uns von Anfang an wohl.

Mein Fazit:

Es war jeden Cent wert! Ich kann nur jedem empfehlen, macht zumindest das Seminar. Es wird so viel Wissen und so viele Erkenntnisse vermittelt, in so optimaler Form. Ich würde ja sogar sagen, dass jeder Mensch dieses Wissen haben sollte. Wer kann schon behaupten ein perfekt funktionierendes Gehirn zu haben? Trotzdem können wir es haben, völlig unabhängig vom Alter. Es müssten einige Dinge nicht sein und viele Erkrankungen würde es nicht geben, wenn jeder ein paar Regeln befolgt. Die das Gehirn betreffend, werden beim Family Hope Center vermittelt.

Wie geht es nun weiter?

Im Dezember haben wir unseren Termin MIT Max. Wir sind für zwei Tage im Family Hope Center. Am ersten Tag Stufen alle Therapeuten Max exakt in seiner Entwicklung ein. Das wird noch um ein vielfaches umfangreicher, als wir das im Seminar gemacht haben. Ein Part ist z.B. alle 33 Reflexe durchzutesten. Ich weiß schon mal, dass Max nicht erschrickt. Das sollte auch ein funktionierender Reflex sein. Wenn das nicht der Fall ist, ergeben sich daraus weiter Schwierigkeiten.

Am zweiten Tag bekommen wir dann ein detailliertes Programm speziell für Max. Was wir, wie oft, wie häufig, wann mit Max machen sollen. Zum Beispiel, wie wir den Schreckreflex bei Max aktivieren und integrieren. Ich bin schon mehr als gespannt.

Die Erkenntnisse, die wir vom Seminar mit heimgenommen haben, werden wir gleich umsetzten.

Wer noch weitere Infos haben will, darf mir gerne eine Mail schreiben oder auch anrufen. Ich stehe jedem zur Verfügung.